Holobionten

"Cilium", Gips, Leder. 91 x 20 x 27 cm. 2021
"Miss Thistle", Gips, 
50 x 50 x 167 cm. Ausstellungsansicht “Matches”, Reinbeckhallen Berlin. 2021
"Miss Thistle", Gips, 
50 x 50 x 167 cm. 2021
Flapoor, Gips, 27x30,5x9cm. 2020
Kern, Wachs, Spiegel, 
9x4x5,5 cm. 2020
"Viszerale", Wachs, Spiegel,  
11x3,5x11 cm, . 2020

Thema dieser Arbeiten sind Kontroversen zum Thema des Fremden im Eigenen und folglich des Eigenen im Anderen. Dafür steht das Bild des Holobionten – ein Hybrid aus vielen Organismen, d.h. ein System, das sich aus fremden Elementen zusammensetzt, auch aus dem Menschen selbst. Das Reich der Organismen ist nicht ausschließlich durch Mutation, Genaustausch oder äußere Einflüsse entstanden, sondern vor allem durch symbiotische Allianzen. Der Holobiont ist bestimmt durch die Beeinflussung, Durchdringung, Verschmelzung von Fremden in besonderer Intimität. Der aktive Prozess der Ein- und Ausgliederung (Ein- und Ausformung) findet seinen Ursprung in unserer Evolution. Die Kontamination bildet die treibende Kraft. Denn es geht nicht einfach um die Toleranz für das Fremde, sondern darum, dieses Fremde als uns längst schon innewohnend, als unverzichtbar und unabwendbar zu begreifen. Es bildet die Voraussetzung für das Eigene.

Gußformen werden zur Darstellungsform und konzeptionell auch zum Ausdrucksmittel. Künstliche „fremde“ Elemente erfahren bei ihrer Umwandlung in eine Negativform eine Transformation, die plötzlich eine unerwartete Lebendigkeit offenbart und sie zu etwas Körperlichem werden lässt. Für mich stellt dies ein Spannungsfeld dar, das das Fremde zu einem Teil von uns werden lässt – in der Art und Weise, wie wir es betrachten, in der Perspektive. Eingeformte Objekte erhalten auf subtile Weise eine neue Interpretation und behalten gleichzeitig ihre Rätselhaftigkeit. Dazu nutze ich die Mittel der Verfremdung und Fragmentierung.

Ein- und Ausschluss treffen in der Gussform aufeinander. Fülle entsteht gerade durch eine eingekapselte Form bzw. durch die bedeutungsschwangere Leere, die in der Form zurückbleibt, ihrem Inneren Kontur verleiht. Die Gussformen sind Behältnis und Inhalt zugleich; sie sind das Gegenteil ihres eigentlichen Objekts, seiner Körperlichkeit enthoben und doch viszeral und gedanklich in ihm eingeschlossen. Die eine Form wird zur Bedingung für die andere. Die in Serien präsentierten Schnitte durch verschiedene Gussformen verweisen in der Wahl ihrer ästhetischen Darstellungsform auf die Schönheit des Fragmentarischen. Leere Räume, die die Einheit in Frage stellen und gleichzeitig die zerstörerische und kreative Kraft von Brüchen andeuten.

The subject of this artworks are controversies on the topic of the foreign in the self and, consequently, the self in the other. This is represented by the image of the holobiont – a hybrid of many organisms, i.e. a system composed of foreign elements, including man himself. The realm of organisms was not created exclusively by mutation, gene exchange or external influences, but primarily by symbiotic alliances. The holobiont is determined by the influence, penetration, fusion of strangers in special intimacy. The active process of incorporation and expulsion (molding in and molding out) finds its origin in our evolution. Contamination forms the driving force. For it is not simply a matter of tolerance for the foreign, but of understanding this foreign as already inherent in us, as indispensable and inevitable. It forms the prerequisite for our own.

Intermediate molds become a form of presentation and conceptually also means of expression. Artificial „foreign“ elements undergo a transformation during their conversion into a negative form, suddenly revealing an unexpected liveliness and allowing them to become something physical. For me, this represents field of tension that allows the foreign to become a part of us – in the way we look at it, the perspective. Objects that have been shaped and reshaped are subtly given a new interpretation, while at the same time retaining their mysteriousness. For this I use the means of alienation and fragmentation.

Inclusion and exclusion meet in the mold. Fullness arises precisely from an encapsulated form, or from the meaningful emptiness that remains in the mold, giving contour to its interior. The molds are container and content at the same time; they are the opposite of their actual object, removed from its physicality and yet visceral and mentally enclosed within it. One form becomes the condition for the other. The cuts through various casting molds presented in series refer to the beauty of the fragmentary in the choice of their aesthetic form of presentation. Blank spaces that question unity and at the same time imply the destructive and creative power of ruptures.