Holobionten

Holobionten


           Gegenstand dieser Arbeiten sind Auseinandersetzungen zum Thema des Fremden im Eigenen und folglich dem Eigenem im Anderen. Dafür steht das Bild des Holobionten - ein Mischwesen aus vielen Organismen, so auch der Mensch selbst. Das Reich der Organismen entstand nicht ausschließlich durch Mutation, Genaustausch oder externe Einflüsse, sondern in erster Linie durch "symbiontische Allianzen". Der Holobiont wird bestimmt durch das Einwirken, Eindringen, Verschmelzen von Fremden in besonderer Intimität. Der aktive Prozess des Einverleibens und Ausstoßens (Einformung/ Ausformung) findet seinen Ursprung in unserer Evolution. Kontamination bildet hierbei die treibende Kraft.




Meine Arbeiten sind in den Zonen des Übergangs zwischen Eigenem und Fremden verortet und treffen in Form von Ein- und Ausschluss, Positiv und Negativ aufeinander. Die eine Form wird zur Bedingung für die andere, was das Fremde zu einem Teil von mir werden lässt. Denn ich verstehe mein Selbst als ein von Fremdheit und Verschiedenheit des Anderen geschaffenes und durchzogenes Ich.


Wie gelingt es, die klassischen Dichotomien zwischen Innen und Außen, Selbst und Anderen, Eigenem und Fremden aufzulösen oder ist dies überhaupt möglich?





Triptychon Vlies



95x6x88 cm, Gips. 2020


                In meiner Arbeit werden Zwischenformen zur Präsentationsform und auch konzeptionell zum Ausdrucksmittel. Künstliche „fremde“ Elemente vollziehen im Betrachten seiner Negativform einen Wandel, offenbaren plötzlich eine unerwartete Lebendigkeit und lassen sie zu etwas Körperlichem werden.
Hier liegt für mich das Spannungsfeld, das das Fremde zu einem Teil von uns werden lässt – in der Art der Betrachtung, der Perspektive.


Intimicy



25,5x8x23,5 cm, Beton, Gips, Wachs. 2020





Cubitum I



Ellenbogenabdruck, 20x10x15 cm, Gips. 2020


In meinem skulpturalen Vorgehen arbeite ich mit Mitteln der Verfremdung. Verfremdet erscheinen auch die Teilabformungen meines Körpers, welche ich durch das Zersägen weiter fragmentiere und anschließend neu zusammensetze. Das Verfahren erzeugt und bezeugt für mich dieses Fremde im Eigenen, das Eigene im Fremden.




Cubitum II


Ellenbogenabdruck,

15x9x13 cm, Bronze. 2020


Fersen


links

16,5x8,5x10 cm


rechts

14,5x9,5x8 cm, Bronze. 2018


Einschluss


48x18x26 cm, Gips. 2020


Kern



9x4x5,5 cm, Wachs. 2020


Wachs erscheint als ein „Stoff des Unbehagens“. Nicht nur, weil es in der Farbigkeit und Transparenz dem Inkarnat, der Haut, gleicht; sondern vor allem, weil es keine Widerständigkeiten aufweist.



Flapoor


27x9x31cm, Gips. 2020


Der Abdruck einer Gussform entspricht funktionell auch dem Negativverfahren der analogen Fotografie. In beiden Fällen  geht   es   um   das   Festhalten

eines  mit  der  Aktion selbst  unwieder-

bringlich vergangenen Moments, um die Reproduzierbarkeit einer ansonsten verlorenen, transitiven Form.

links

Spann

14x6,5x5 cm, Bronze,

Spiegel. 2020




rechts

Viszerale

11x3,5x11 cm, Wachs,

Spiegel. 2020

Knieende


zweiseitige Körperabformung, 40x9x23 cm, Gips. 2020


Gussformen sind Behältnis und gleichzeitig Inhalt, sie sind das Gegenteil ihres eigenen Objekts, ausgestoßen aus dessen Körperlichkeit, aber doch auch viszeral und gedanklich in ihn eingeschlossen. Mein Vorgehen zielt auf die Form innerhalb der Form, des Abdrucks und des Körpers, der uns formt.

Schaukästen


21×18×5cm, Gips, Fell, Wachs, Holz, Garn. 2019/20


Die in Serie präsentierten Schnitte durch verschiedenen Gussformen verweisen auf die Schönheit des Fragmentarischen. Leerstellen, die die Einheit in Frage stellen und zugleich die zerstörerische und schöpferische Kraft von Brüchen implizieren.


Diplomausstellung im BLECH Raum für Kunst Halle e.V., 2019




STILLSTAND. Ausstellungsansicht im BLECH Raum für Kunst Halle e.V., 2020

Foto: Jana Isabella Luck


Ausstellungsansicht A&O Kunsthalle Leipzig, 2020

Foto: Gustav Franz



Komplizen


Wachs, 44×45×38cm, 2019


Abgüsse meines Körpers werden ausgeformt und unter dem Gesichtspunkt der Verfremdung als neues Gefüge zusammengesetzt. Das Wachs ist ideales Medium, um aus den abgeformten Körperfragmenten unwahrscheinliche neue Körper, Holobionten mit gewagten Komplizenschaften zwischen weit entfernten Körperteilen zu stiften.

Der Körper ist immer schon ein besetzter, konditionierter, zugerichteter, beschrie-bener oder zurechtgebogener gewesen. Meine Arbeiten erfahren diese Zurichtung im wahrsten Sinne des Wortes am eigenen Leib. Ihre Zustände sind Momentaufnahmen ihres Seins.

 


o.T.


Gips, Wachs, Garn,
60x40x25cm. 2019



 

Drei Paraffinplatten


Paraffin, 67×37×15cm. 2019